Ora et labora – Beten und Arbeiten, Lieben und Leben auf dem Dachgarten Erfurts

Zunächst ging und geht es vor allem um die Gestaltung der Grundlagen einer ökumenischen Gemeinschaft. Die „5er Sätze“ einer gemeinsamen geistlichen Collegiats-Regel liegen vor und werden unter Leitung von Superintendent Ralf-Peter Fuchs (Schleiz) bis Ende des Sommers beraten. Das Collegiat schöpft aus den Quellen der biblischen Überlieferung und knüpft in seiner lebenspraktischen Ausgestaltung an vorbenediktinische, benediktinische und reformatorische Theologie, Spiritualität und Sozialpraxis an.
Am 27. März 2009 wurde, mit sachkundiger Unterstützung durch Dr. Martin Borowsky, der „Förderverein des Collegiatstifts St. Peter & Paul e.V.“ gegründet. Der CPP-Erfurt e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, die gennante Doppel-Aufgabe nach Kräften zu unterstützen. Als Vorstandsvorsitzende wurden Dr. Thomas A. Seidel und Irina Karow gewählt. Schatzmeister ist Lothar Schmelz, der Kurator des Augustinerklosters.
Am „Namenstag“ der Peterskirche, St. Peter- und Paul 2009, dem 29.6., wurde die Collegiatsleitung im Rahmen einer kleinen Festveranstaltung von Altpropst Joachim Jaeger und Weihbischof Dr. Reinhard Hauke in der Peterskirche für ihre Arbeit gesegnet. Der profundeste Kenner der Geschichte des Erfurter Petersberges, Prof. Dr. Matthias Werner (Universität Jena) hielt einen Vortrag zum Thema: „Damit in einer so berühmten Stadt die Gläubigen einen Ort der Zuflucht finden“ (1143) – Der Petersberg als Zentrum religiösen Lebens im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Erfurt. Im Gespräch konnten die Erfurter Bürgerinnen und Bürger Genaueres über den Stand des Projektes erfahren.
Am 24.9.2009 konstituierte sich das Kuratorium des Förderverseins. Als Vorsitzender wurde der Erfurter Unternehmer und Vorsitzende des Gemeindekirchenrates der Reglergemeinde Stephan Behr gewählt. Seine Stellvertreter sind Alt-Oberbürgermeister Manfred Ruge und Sr. Katharina Schridde, die Leiterin der Schwestern vom Casteller Ring in Erfurt (CCR). Weiterhin arbeiten der Oberbürgermeister Andreas Bausewein, der Erfurter Altpropst Joachim Jaeger, der Präsident der Erfurter Universität Prof. Dr. Kai Brodersen und der Unternehmer Artur Janot in diesem Beratergremium mit.
Die geistliche Leitung des Collegiats liegt in den Händen von Dietrich Koller und Cornelia Seidel. Das Bemühen des Vereins richtet sich in allen seinen Aktivitäten auf ein konstruktives, kooperatives Zusammenwirken mit allen Vereinen, Institutionen und Verantwortlichen für den Petersberg, mit den Entscheidungsträgern in Stadt und Land sowie mit den evangelischen und katholischen Erfurter Kirchgemeinden. Seit dem 3. März 2009 trägt eine „Sondierungsgruppe Petersberg“ verschiedene Überlegungen zusammen, um - ausgehend von der Idee des Collegiats – gemeinsam ein Gesamtkonzept für den Petersberg zu erarbeiten. In dieser Gruppe haben u.a. mitgearbeitet: Dr. Carmen Hildebrandt (Geschäftsführerin der Erfurter Tourismus Gesellschaft mbH), Friedhelm Josephs (Geschäftsführer des Erfurter Gastro-Berufsbildungswerkes), Frank Krätschmar (Geschäftsführer der Landesentwicklungsgesellschaft, LEG) und Lothar Tautz (Leiter der AG Bau/ Defensionskaserne CPP). Für ihre Arbeit am Gesamtkonzept hat sich diese Gruppe das Motto „Nahrung für Leib und Seele“ gegeben und fünf Konzept-Bausteine entworfen.
Die Arbeit an den fünf Konzept-Bausteinen wird weiter fortgesetzt in einer vom CPP-Plenum eingesetzten Konzeptgruppe. Sie erfolgt auf der Basis einer Vereinbarung (Letter of intent), die der Förderverein CPP e.V. mit der Stadtinitiative „Lebendiger Petersberg“ des Thüringer Instituts für akademische Weiterbildung (TIAW) am 1.10.2009 getroffen hat. D.h., dass zu den Collegiats-Plänen für den Petersberg künftig auch an eine Herberge, an Internatspätze ebeso gedacht ist, wie an preiswerte und hochwertige Gastronomie, an „Schul- und Klostergärten“, an vielseitige kulturelle, künstlerische und soziale Angebote sowie verschiedene, konzeptionell dazu passende Arbeitsplätze. Die Stichworte intergenerationell (Zusammenleben von Menschen aller Generationen) und integrativ (Zusammenleben von Menschen mit und ohne Körperbehinderung) sind für jeden der einzelnen, betriebswirtschaftlich funktionierenden Bausteine konzeptleitend. Dieses Konzept wird demnächst auf einer eigenen Homepage
www.peterskirche-erfurt.de vorgestellt.
Die Präambel des Fördervereins CPP-Erfurt e.V. schließt mit den Sätzen:
„Gemeinsam wollen wir heute, am Beginn des 21. Jahrhunderts – nach dem Jahrhundert der Gewalt und der Diktaturen – einen vitalen Akzent setzen, der christliches Leben mit Weltoffenheit und Realitätssinn verknüpft. Inmitten eines stark säkularisierten und von Kulturabbrüchen geprägten Landes soll in modellhafter Weise das unfruchtbare Nebeneinander oder gar Gegeneinander verschiedener Weltanschauungen und Lebensentwürfe zu einem gedeihlichen, ausstrahlungsfähigen Miteinander finden – zum Besten der Stadt und ihrer Gäste.“
Wer daran in irgendeiner Form mitwirken möchte, ist herzlich eingeladen.